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Der einzige Aalfrachter der Niederlande hat in Friesland seinen Liegeplatz

Die Dörfer Heeg und Gaastmeer sowie die altfriesische Stadt Workum waren einst wichtige Orte für den Aalhandel. Denn wer Aale fangen will, braucht dazu natürlich Boote. Auch die wurden in Friesland gebaut. Man nannte sie „Palingaak“, zu Deutsch: „Aalfrachter“. Auf diesen Frachtschiffen gab es einen eigenen Behälter zur Aufbewahrung der lebenden Aale. Leider verschwand nicht nur der Aal allmählich aus Friesland, sondern auch dieser Schiffstyp. Zum Glück haben einige Liebhaber inzwischen dafür gesorgt, dass dieses nautische Kulturerbe wieder unter uns weilt. Man kann sogar damit fahren, wenn man will.

MIT DEM AALFRACHTER NACH LONDON

Anfangs waren es vor allem die Holländer, die mit ihren Aalen nach England übersetzten. Dort war der Aal beim einfachen Volk heiß begehrt. Die Friesen übernahmen den Export im 17. Jahrhundert. Nicht zuletzt deswegen, weil es in den friesischen Gewässern seinerzeit viele Aale gab, und das von hoher Qualität. Bis ins 20. Jahrhundert hinein segelten sie mit ihren typischen Aalfrachtern von Friesland aus in die englische Hauptstadt. Eine beschwerliche Reise, die sich aber lohnte. Zu den besten Zeiten verkehrten ganze 16 Schiffe sechs Mal pro Jahr zwischen Friesland und London. In der Themse, am Billingsgate Fishmarket, hatten die Friesen ihren eigenen Liegeplatz, für den sie nicht einmal bezahlen mussten: „Dutch Mooring“ nannte er sich und lag nur einen Steinwurf von der London Bridge entfernt.

Lesen Sie mehr über die Geschichte des friesischen Aalhandels

AALFRACHTER MIT DEM NAMEN EINES HELDEN

Aus Nachforschungen des Vereins De Palingaak ergibt sich, dass hinter diesem freien Liegeplatz eine besondere Geschichte steckt. Das Liegerecht wurde nämlich von König Charles II verliehen, als königliches Dankeschön für den heldenhaften Einsatz der Besatzung jenes Aalfrachters beim Großbrand von London im Jahre 1666. Dank der mutigen Hilfe der friesischen Aalfischer konnte der Brand bekämpft werden. Auch half die Besatzung, als anschließend die große Pestepidemie ausbrach.

De Palingaak in Heeg

LETZTER AALFRACHTER VERSCHWAND 1945

Aus verschiedenen Gründen war die Aalfischerei im 20. Jahrhundert immer mehr rückläufig. Der Bau des Abschlussdeichs und der vielen weiteren Schleusen und Pumpwerke versperrte dem Aal seine natürlichen Migrationswege. Auch die Motorisierung der Schifffahrt tat dem Aalbestand alles andere als gut. Weil die Überfahrt beschwerlich war und die Aalerträge geringer wurden, kam die Tradition der London-Fahrten zum Erliegen. Der letzte erhaltene Original-Aalfrachter wurde 1945 obendrein noch verschrottet. Die alte Werft in Heeg gibt es allerdings immer noch. Dort entstand um 1999 die Idee, einen neuen Aalfrachter zu bauen. Einerseits, um die glorreiche Vergangenheit wiederaufleben zu lassen, andererseits aber auch, um dennoch etwas für die Zukunft zu erhalten.

Twee mannen geven een visnet over van de ene boot naar de andere.

AALFRACHTER-REKONSTRUKTION KORNELISKE YKES II

Die Rekonstruktion des Aalfrachters erhielt den Namen Korneliske Ykes II. Der Aalfrachter wurde unter den wachsamen Augen der Baumeister Sars und Pier Piersma gebaut, mit traditionellen Bauweisen und Materialien. 2009 nahm die Korneliske Ykes II ihren Betrieb auf. Gebaut wurde sie nach den Vorbildern der ursprünglichen Korneliske Ykes. Jener Frachter wurde 1872 von Eeltsje Holtrop van der Zee gebaut. Die Korneliske Ykes II erzählt heute die Geschichte des ehemaligen Aalhandels. Weil der Aalfrachter komplett aus Holz ist, muss er ständig instandgehalten werden.

MIT DEM AALFRACHTER UNTERWEGS

An Bord des Aalfrachters Korneliske Ykes II fühlt man sich wie in frühere Zeiten zurückversetzt. Die hervorragende Rekonstruktion hat seit 2013 ihren festen Liegeplatz im Zentrum von Heeg, am Syl. Das Schiff ist häufig unterwegs. 2019 fuhr der Aalfrachter sogar erstmalig nach London. Damit legte zum ersten Mal seit 80 Jahren wieder ein friesischer Aalfrachter in der Themse an. Über das Besucherzentrum in Heeg können Sie eine Rundfahrt mit der Korneliske Ykes II buchen. Fahrkarten gibt es allerdings auch online. In den Sommermonaten bricht der Aalfrachter jeden Donnerstagabend zu einer abendlichen Rundfahrt auf und lässt so die glorreiche Geschichte des Aalfangs in Friesland wiederaufleben.

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Mensen zwaaien vanaf boot naar mensen aan de kant

RADTOUR DURCH SÜDWESTFRIESLAND AUF DEN SPUREN DES AALS

Auch an anderen Stellen in Waterland van Friesland kann man mehr über den Aalhandel erfahren. Diese interessante Radtour führt zu den Stellen, die für den Aalhandel wichtig waren. Ausgangspunkt ist auch hier das Besucherzentrum in Heeg. Die Tour ist 35 km lang und führt durch die Dörfer Heeg und Gaastmeer sowie durch die Stadt Workum. Sie besuchen auf dieser Radtour damit die Stellen in Waterland van Friesland, an denen der Aalfang eine wichtige Rolle gespielt hat.

In Heeg können Sie dazu den Aalfrachter bestaunen. Wer sich für Details interessiert, kann im Besucherzentrum sogar eine kleine Nachbildung davon aus nächster Nähe betrachten.

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