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Skûtsjesilen

Jedes Jahr im Juli und August lebt auf den friesischen Seen die Tradition des „Skûtsjesilen“ wieder auf. Ein Wettkampf, bei dem es auf Wynenerzjy ankommt. So nennt man in Friesland die Windenergie. Nicht nur das Wetteifern zwischen diesen traditionellen Frachtschiffen ist ein Erlebnis. Oft ist das ganze Dorf bzw. die ganze Stadt in Partylaune, wenn die Regatta dort stattfindet. Aber begeben wir uns auf eine kurze Zeitreise, um mehr über diese echt-friesische Tradition zu erfahren.

Skûtsjes, die LKW der früheren Zeiten

Das Skûtsje war viele Jahre lang das Frachtschiff für die friesischen Binnengewässer. Nahezu alle Dörfer in Friesland waren auf dem Wasserwege erreichbar. Die Skûtsjes dienten somit gewissermaßen als LKW und die Kanäle waren die Autobahnen. Die richtige Aussprache lautet übrigens „Skuhtsche“, im Deutschen spricht man von „Schute“, oder auch von „Leichter“. Geladen hatten diese Segelschiffe vor allem Torf, Kartoffeln, Zuckerrüben, fruchtbare Warfterde, Mist oder Baumaterialien. In der Roofe wohnte oft eine ganze Schifferfamilie. Oft mussten sie sich mit kleinen Möbeln begnügen, da nur solche hineinpassten.

Windenergie oder mit eigener Kraft

Gefahren wurde auf Windenergie oder mit eigener Kraft. Denn schließlich herrschte nicht immer Wind, und manchmal gab es auch Gegenwind. Dann gingen Frau und Kinder oder der Knecht von Bord, um das Schiff zu „treideln“, mit anderen Worten: Sie zogen das Schiff mit Muskelkraft hinter sich her. In Friesland nannte man das „yn 'e beage rinne“, zu Deutsch: im Geschirr laufen, um das Schiff zu ziehen. Heutzutage haben fast alle Skûtsjes auch einen Motor, und in ganz Friesland sind Segeltouren mit einem erfahrenen Skipper möglich.

Keine Fracht? - Dann um die Wette!

Gab es früher einmal keine Fracht zum Transportieren? Dann forderten sich die Schiffer gegenseitig zum Kräftemessen mit Geldpreisen heraus. Auch Gastwirte oder eine „Kommission von Liebhabern“ organisierten mitunter Wettkämpfe. So erschien im Leeuwarder Courant vom 12. August 1834 folgende Anzeige:

„Einige Liebhaber der Segelei in Sneek sind zu einem Wettsegeln geneigt am Mittwoch dem 20. August  1834, nachmittags um Punkt halb zwei Uhr: für Fährschiffe und Schniggen von 8 Ellen, 207 Streep und größer. Der Sieger erhält eine hübsche, fein bearbeitete silberne Taschentabakdose.“

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Skûtsjesilen als sportliches Event seinen Durchbruch. Fracht wurde mit Seglern kaum noch transportiert, aber alle Beteiligten waren sich einig, dass die Skûtsjes als fahrende Tradition erhalten bleiben sollten. Im Winter 1944-1945 ergriff der Drachtener Architekt und Segelliebhaber Gerben van Manen daher die Initiative zur Gründung der Sintrale Kommisje Skûtsjesilen (SKS). Die Wettbewerbe wurden bald schon derart beliebt, dass die SKS die Höchstteilnehmerzahl auf 14 begrenzen musste. Sehr zum Verdruss der anderen Skûtsje-Besitzer, die auch ihre Kräfte messen wollten und daher 1981 den Verein Stichting Iepen (offen) Fryske Kampioenskippen Skûtsjesilen (IFKS) aus der Taufe hoben. Sowohl SKS und IFKS organisieren jedes Jahr in ganz Waterland van Friesland Segelregatten, die sowohl von Einheimischen als auch von Gästen gerne besucht werden.