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Sägewerk De Rat IJlst

So wie das Wasser von oben nach unten fließt, so hat auch Luft ihre Flusseigenschaften und erzeugt dadurch Energie. Die Energie des Luftstroms wird von den Flügeln der Windmühle De Rat in IJlst eingefangen, die damit ein komplettes Sägewerk antreibt. Über Zahnräder, Spindeln und Achsen wird bewirkt, dass sich der Sägerahmen immerzu auf und ab bewegt. So werden aus dicken Baumstämmen Bretter. Schon seit 300 Jahren wird in der Mühle De Rat das alte, von der UNESCO anerkannte Handwerk des Müllers ausgeübt. Ein Besuch in dieser Sägemühle ist wie eine Reise in die Vergangenheit – mit dem Geruch von frischem Holz in der Nase und dem Gestampfe des Sägerahmens und dem zischenden Geräusch der Windmühlenflügel im Ohr. Hier erlebt man Windenergie in Reinkultur.

Aus der Zaanregion

Bemerkenswert dabei ist, dass diese markante Mühle ursprünglich gar nicht von hier stammt: Sie stand im Zaangebiet und war dort eine von etwa 1.000 Mühlen dieser Art. Viele davon trugen die Namen von Tieren. So war „De Rat“ (die Ratte) keineswegs eine Ausnahme. Denn einen Namen brauchte jede Mühle. So stand es im Gesetz. Und Tiernamen waren da recht praktisch: man brauchte nur das betreffende Tier auf die Mühle zu malen. So wussten auch die Schiffer auf Anhieb Bescheid, bei welcher Mühle sie anlegen mussten. Als jedoch der Wohlstand des Goldenen Zeitalters zu Ende ging, kam für die Holzsägemühle De Rat an ihrem ursprünglichen Standort das Aus. Der damalige Bürgermeister von IJlst, von Beruf Holzhändler, kaufte die Mühle und freute sich, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Stück für Stück wurde die Mühle zerlegt und als „Bausatz“ nach IJlst verschifft, um dort am Geeuw wiederaufzuerstehen. 1829 wurde sie in Betrieb genommen.

Zeichnung von Frans Mars, 2. Mühle von links: De Rat an ihrem ursprünglichen Standort.

Die Mühle besuchen

IJlst und Holz – das gehört zusammen

Die alte friesische Stadt IJlst wird oft auch als „Holzstadt“ bezeichnet. Jahrelang legten hier nämlich enorm große Holzflöße an, die schwedische und norwegische Baumstämme lieferten. Die legendären Holzhändler Oppedijk und de Vries verarbeiteten diese zu Brettern. Zuerst mit Windenergie, später mit Dampf und am Ende mit Strom. Das Holz brauchte man für den Bau von Schiffen, aber auch von friesischen Bauernhöfen, Kirchen und Schlittschuhen.

Dem letztgenannten Produkt verdanken die Koninklijke Fabrieken J. Nooitgedagt & Zn. aus IJlst ihren hohen Bekanntheitsgrad. Obwohl die Schlittschuhe und die Holzspielwaren, die dort hergestellt wurden, eigentlich Nebenprodukte waren. Werkzeuge zur Holzbearbeitung waren das Kerngeschäft, dem sich die Mitarbeiter dieses größten Arbeitgebers der Stadt mit viel Liebe und Kompetenz widmeten. Ein riesiger Meißel, der früher vor der Fabrik stand, erinnert daran. Dieses handwerklich solide Kunstwerk ist heute zu sehen am Kreisverkehr Zuidwesthoekweg/Stadslaan in IJlst. Wenn Sie gerade in IJlst sind, besuchen Sie im einen gleich das Museum Houtstad IJlst, nur einen Steinwurf von der Mühle entfernt. Hier kann man die alte, dampfbetriebene Sägemaschine des Holzhandels Wed. W.J. Oppedijk noch in voller Funktion bewundern. An speziellen Dampftagen wird der ursprüngliche Sägerahmen wieder von einer Dampflokomobile angetrieben.

Das Museum besuchen

Mühlenparadies Südwestfriesland

Ganze 30 Mühlen hat Waterland van Friesland zu bieten. Mühlen, die Wasser abpumpen, die Getreide mahlen oder die Holz sägen. Wer mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist, kann sie kaum übersehen. Einige von ihnen kann man auch besichtigen. Insbesondere die Langweerder Molen zwischen dem Langweerder Wielen (einem der friesischen Seen) und dem dahinter gelegenen Polder lohnt einen Besuch. Denn diese Mühle erfüllte als einzige in den Niederlanden eine Doppelfunktion: als Polder- und als Roggenmühle. Und das Tollste ist: Man kann dort sogar übernachten. Eine Erfahrung, die man in keinem Hotel der Welt finden wird!

Verbringen Sie die Nacht in einer Mühle